Accesskeys

Maikäfer

Maikäfer sind gefürchtete Schädlinge

Maikäfer sind gefürchtete Schädlinge

Namensgebung

Die wissenschaftliche Familienbezeichnung "Blatthornkäfer" bezieht sich auf die Gestalt der Fühler, deren letzte Glieder blattförmig verbreiterte Lamellen aufweisen. Beim Maikäfer (Gattung Melolontha) lassen sich hier übrigens auch die Geschlechter sicher trennen (die Weibchen haben 6 kürzere, die Männchen 7 längere Fühlerblätter). Die Hauptaufenthaltsorte und Hauptflugzeiten der verschiedenen Käferarten dienten als Namensgeber - so z.B. für den Feldmaikäfer (Melolontha melolontha), für den etwas kleineren Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani) oder für den ebenfalls kleineren Juni- oder Brachkäfer (Amphimallon solstitialis). Engerling als Begriff für die Larve der grossen Blatthornkäferarten leitet sich vom mittel- und althochdeutschen enger(l)inc bzw. engiring ab, welcher als Bezeichnung für einen kleinen Wurm, Made oder Finne steht. In den nachfolgenden Texten wir der Name Maikäfer für den Feldmaikäfer verwendet.

Wirtspflanze und Schaden

Der Schaden der Käfer und Engerlinge ist je nach Art unterschiedlich. So kann der Maikäfer beim Reifungsfrass im Frühjahr des Flugjahres im Extremfall Steinobst- oder Nussbäume entlauben und somit vorübergehend auffällige Schäden hervorrufen. Die weitaus grössere Bedrohung geht jedoch von den im Boden lebenden Engerlingen durch deren Wurzelfrass aus. Praktisch alle Pflanzenarten können betroffen werden. Bei den Kulturpflanzen können Schäden bis zum Totalausfall insbesondere in Obstanlagen, im Weinbau, in Baumschulen und lokal auch im Wiesland entstehen.

Es existieren Schwellenwerte (Anzahl Engerlinge/m²), bei deren Überschreitung es zu Schäden kommt. Diese liegen kulturabhängig zwischen 1-2 (Baumschule, Erdbeeren), 20-30 in Wiesen und Weiden, 3-4 in Hackfrüchte und 15 Tieren in Getreide und werden durch Probegrabungen ermittelt.

Bedeutung der Flugjahre

Der Maikäfer durchläuft bei uns in der Regel eine dreijährige Entwicklung. Das erste Jahr ist das Jahr des Fluges und der Eiablage. Das zweite wird als Hauptschadenjahr bezeichnet, weil jetzt die Engerlinge die grösste Frasstätigkeit entwickeln. Das dritte Jahr dient sodann einem kurzen Reifungsfrass und der Verpuppung. Weil sich früher regionsspezifische Flugjahre herausgebildet hatten, unterscheidet man auch heute noch nach ihrem ursprünglichen Vorkommen zwischen dem Berner-, dem Urner- und dem Baslerflug.

Bernerflugjahre:   2002/05/08, etc.

Urnerflugjahre:     2003/06/09, etc.

Baslerflugjahre:   2004/07/10, etc.

 

In den letzten Jahren konnte jedoch festgestellt werden, dass ein Teil der Populationen infolge der Klimaerwärmung jeweils bereits nach zwei Larvenjahren verpuppt. Demzufolge können z.B. in einem Bernerfluggebiet schon im Vorjahr, also im "Baslerflugjahr" ausfliegende Maikäfer beobachtet werden. Es besteht somit die Möglichkeit, dass sich die Generationen im Laufe der Zeit vermischen und künftig nicht mehr von eigentlichen Flugjahren gesprochen werden kann.

Geschichtliches

Der im Kanton St.Gallen noch immer dominierende Bernerflug trat bis Ende des 19. Jahrhunderts jeweils mit Unterbrüchen von 30 - 35 Jahren für 6-10 Jahre verstärkt auf. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der natürliche Massenwechsel gründlich über den Haufen geworfen. Die Maikäferpopulationen nahmen stetig zu, verbreiteten sich praktisch über das ganze Kantonsgebiet (bis ca. 900 müM)  und brachen erst in den 50er Jahren wieder zusammen. Die Käfer des Bernerfluges, zogen sich auf bescheidene Restvorkommen im Sarganserland, im oberen Werdenberg und in der Linthebene zurück. Seit Ende der 80er Jahre, ergab sich nun wieder eine Zunahme der Maikäfer und gleichzeitig eine leichte Ausdehnung des Befallsgebietes. Im Sommer der Jahre 1994, 1997 und 2000 waren in diesen Regionen denn auch zunehmend Engerlingsschäden zu verzeichnen. Trotzdem seither die Populationen - offenbar im alten Rhythmus - wieder rückläufig sind, fielen 2003 die Engerlingsschäden auf Futterbauflächen nochmals stärker ins Gewicht, weil die ausserordentliche Sommertrockenheit den Wurzelfrassschaden massiv verschlimmerte.

 

Biologie

Die Käfer überwintern nach der Verpuppung in 5-40 cm Bodentiefe. Das Emporgraben und das anschliessende Ausfliegen der erwachsenen Käfer erfolgt witterungsabhängig in der Zeit von Mitte April bis Ende Mai, hauptsächlich zur Zeit der Abenddämmerung. Ihr Begattungsflug richtet sich nach der höchsten dunklen Silhouette, so dass sich die Populationen häufig an Waldrändern treffen, wo zunächst ein Reifungsfrass stattfindet. Als Frasspflanzen werden bevorzugt Laubgehölze angeflogen (z.B. Eiche, Buche, Haselnuss, Ahorn, Nussbaum, Weide, Obstbäume). Nach der Begattung erfolgt der Rückflug der Weibchen zu ihren jeweiligen Herkunftsgebieten, wo sie für die Eiablage Flächen mit hoher Wärmeabstrahlung und kurzem Bewuchs aufsuchen. Insgesamt sind bis zu drei Eiablagen mit jeweils 10-30 Eiern möglich, welche gruppenweise 10-20 cm tief in den Boden gelegt werden.

 

Die Engerlinge schlüpfen als Junglarven nach einer 4-6-wöchigen Eientwicklung. Sie ernähren sich zunächst von absterbendem Pflanzenmaterial - nach der ersten Häutung im August/September zunehmend auch von lebenden Wurzeln. Die Überwinterung der Larven erfolgt ebenfalls in tieferen Bodenschichten, unter dem Frosthorizont. Im zweiten Jahr folgt dann von April bis September die stärkste Frasstätigkeit und somit Gewichtszunahme der Engerlinge, weshalb dies als Hauptschadenjahr bezeichnet wird. Im dritten Jahr (in höheren Lagen ev. erst im vierten) wandern die Engerlinge nach ihrem Reifungsfrass im Juni erneut in tiefere Bodenschichten,  wo sie sich während 4-6 Wochen verpuppen und als voll entwickelte Käfer überwintern. 

Die Maikäferentwicklung dauert drei Jahre
Datei Maikäfer-Entwicklung.bmp (279 kB, BMP)    

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Fachstelle für Pflanzenschutz: Landwirtschaftliches Zentrum SG
  Martina Aeschbacher
Adresse: 9465 Salez
Telefon: 058 228 24 23

Servicespalte